„Girl on the Train. Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich“ von Paula Hawkins

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Erschienen in: blanvalet, Oktober 2016
Originaltitel (Englisch): The Girl on the Train
Ausführung: Paperback, S.488
ISBN: 978-3-7645-0601-8
Preis: 12,99 € [D]
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Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt und abends wieder zurück. Jedes Mal hält der Zug an derselben Stelle. Jedes Mal blickt Rachel wieder auf das, was sie verloren hat und niemals wird haben werden. Und immer wieder sieht sie, wie es idealerweise hätte sein können. Doch eines Tages sieht Rachel während ihrer Zugfahrt an der Stelle etwas, das nicht so ist wie immer, und dass die alltägliche Routine, und sie völlig aus der Bahn wirft…

„Girl on the Train. Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich“ (2015) ist Paula Hawkins Debütroman unter richtigem Namen. Zuvor hatte die Wirtschaftsjournalistin unter dem Pseudonym Amy Silver Frauenromane wie „Du und ich und all die Jahre“ (2011) oder „Was bleibt, wenn du gehst“ (2013) geschrieben, die jedoch nicht an die Bekanntheit und den Erfolg von „Girl on the Train“ heranreichen konnten. 2016 ist der Roman mit Emily Blunt in der Hauptrolle als Rachel erfolgreich verfilmt worden.

Die Protagonistin Rachel, mit der Hawkins Roman startet, ist 34 Jahre alt und fährt täglich mit dem Zug nach London und abends wieder zurück. Nachdem sie in der Vergangenheit verzweifelt mit ihrem Mann Tom versucht hatte schwanger zu werden und auch eine In-vitro-Fertilisation erfolglos bliebt, verfiel sie in Depressionen und begann zu trinken. Ihre Ehe zerbrach und Toms schwangere Affäre, die Immobilienmaklerin Anna, zog schon zwei Tage nach ihrem Auszug in ihr bisheriges Zuhause ein. Dieses betrachtet sie, alkoholabhängig, arbeitslos und bei ihrer Freundin wohnend, täglich sehnsüchtig, wenn der Zug an genau dieser Stelle hält. Ebenso beobachtet Rachel „Jess“ und „Jason“, wie sie sie getauft hat, im Nebenhaus und malt sich deren perfektes gemeinsames Eheleben aus. Eines Tages sieht sie, wie „Jess“ scheinbar einen anderen Mann küsst und damit ihre, sowie Rachels, Traumidylle aufs Spiel setzt, was sie wütend macht. Rachel steigt später an diesem Tag betrunken an der Haltestelle aus und wacht am nächsten Morgen verkatert und blutverschmiert mit einem Filmriss auf und kann sich beim besten Willen nicht daran erinnern, was nach dem Aussteigen eigentlich passiert ist. Aus der Zeitung erfährt sie, dass Megan, wie „Jess“ tatsächlich heißt, seit eben diesem Abend verschwunden ist. Rachel muss sich nun mit ihren Erinnerungen und ihrem Bewusstsein auseinandersetzten und der Frage nachgehen, ob sie was mit Megans Verschwinden zu tun hat, was tatsächlich passiert ist und welche ihrer Erinnerungen real sind und welche nicht.

Der Roman wird abwechselnd aus der Perspektive der Frauen Rachel, Anna und Megan erzählt. Jedes Kapitel trägt den Namen einer der Frauen sowie Datum und Tageszeit und ist jeweils sehr subjektiv in einer Art Tagebuchstil verfasst, was dem Leser einen guten Einblick in das Innenleben der jeweiligen Frau gibt, ohne zu viel zu verraten. Ihre beschriebenen Wahrnehmungen sind gegenseitig oftmals widersprüchlich und unzuverlässig. Chronologisch angeordnet sind die Kapitel nicht. Der Leser springt beim Lesen innerhalb der Handlung hin und her und durchlebt so manchen Rückblick mit der jeweiligen Person. Diese Vorgehensweisen Hawkins haben zur Folge, dass mit den Vermutungen des Lesers gespielt wird, und dieser sich immer wieder von Neuem fragen muss, wer wohl tatsächlich der Täter ist.

Zu Beginn ist Hawkins „Girl on the Train“ eine Charakterstudie sowie Vorstadt- und Beziehungsdrama und entwickelt sich im weiteren Verlauf der Handlung zum richtigen Psychothriller, der den Leser mitreißt. Als Leser stellt man sich so manches Mal die Frage, ob man seinen eigenen Sinnen überhaupt noch trauen kann. „Girl on the Train“ kann sich neben Gillian Flynns „Gone Girl“ (2012) und anderen Krimiautorinnen in die Reihe des von Julia Crouch 2013 eingeführten Genres „Domestic Noir“ einreihen, dass sie wie folgt definiert:

In a nutshell, Domestic Noir takes place primarily in homes and workplaces, concerns itself largely (but not exclusively) with the female experience, is based around relationships and takes as its base a broadly feminist view that the domestic sphere is a challenging and sometimes dangerous prospect for its inhabitants. (Quelle: http://juliacrouch.co.uk/blog/genre-bender)

Während eben durch die Erzählperspektive das Innenleben der Frauen einfühlsam ausgeleuchtet wird, bleiben die männlichen Charaktere, Tom, Megans Ehemann Scott und Dr. Kamal Abdic (Megans Therapeut) schemenhaft, da den subjektiven Wahrnehmungen der Protagonistinnen nichts hinzugefügt wird. Richtig sympathisch ist jedoch keiner der beschriebenen Charaktere und man traut als Leser jedem das Harmloseste wie auch das Grauenvollste zu.

Mein Fazit:
Paula Hawkins gelingt mit „Girl on the Train. Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich“ ein spannender Psychothriller, der sogar mich als nicht gerade Krimi und Thriller Fan mitgerissen hat. Es war durch die Erzählperspektive immer wieder aufregend mit voranschreitender Lektüre Schritt für Schritt die Puzzleteile zur Auflösung des Mordes zusammen zu puzzeln und das Beziehungsgeflecht der einzelnen Charaktere gedanklich zusammen zu spinnen. Die andauernde bedrückende und angespannte Stimmung war mal eine gute Abwechslung zu den oft meist fröhlich positiven Frauenromanen. An einem regnerischen Herbsttag mit Kuscheldecke und einer schönen warmen Tasse Tee jedem zu empfehlen, der Lust darauf hat mit der Protagonistin Rachel zu entschlüsseln, was sich tatsächlich wie und wann zugetragen hat.

© Cover- und Zitatrechte liegen bei blanvalet

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„Smaragdgrün-Der Film“ Das große Finale der Edelstein-Trilogie Verfilmung

Smaragdgrün

Nach Rubinrot (2013) und Saphirblau (2014), den Teilen eins und zwei der Verfilmung von Kerstin Giers Trilogie rund um die Zeitreisenden Gwendolyn Shepherd und Gideon de Villiers, mussten sich die Zuschauer zwei Jahre gedulden, um den Abschluss der Filmreihe 2016 endlich im Kino sehen zu können. Hat der Film die Erwartungen erfüllt? Wie nah stehen die Verfilmungen den Romanvorlagen? „„Smaragdgrün-Der Film“ Das große Finale der Edelstein-Trilogie Verfilmung“ weiterlesen

„The Duff“ von Kody Keplinger

img_0425Erschienen in: Hodders Children´s Book
Ausführung: Taschenbuch, S.343
ISBN:978-1-444-92798-6
Preis: 6,99£[GBP]
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He moved his attention to the dance floor.
‚I actually need your help. You see, your friends are hot. And you, darling, are the Duff.‘

‚Is that even a word?‘

‚Designated. Ugly. Fat. Friend,‘ he clarified. ‚No offence that would be you.‘

(The DUFF, S. 7)

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