„Schneeweiß und Russenrot“ von Dorota Masłowska

Erschienen bei: Kiepenheuer&Witsch, März 2004Schneeweiß und Russenrot
Originatitel (Polnisch): Wojna polsko-ruska pod flagą biało czerwoną
Ausführung: Taschenbuch, S. 240
ISBN: 978-3-462-03376-2
Preis: 7,95 € [D]

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An nur einem Tag habe die erst achtzehnjährige Dorota Masłowska ihren ersten Roman 2004 neben ihren Abiturvorbereitungen runter geschrieben. Und das Debüt hat es in sich.

Eine namenlose Stadt in Ostpolen nahe der Ostsee: Andzej Robakowski, genannt der Starke, erfährt in einer Bar aus zweiter Hand durch seine Freunde, dass ihn seine Freundin Magda verlassen hat. Vom Liebeskummer angetrieben dröhnt er sich zu, wodurch sich dieser immer weiter in Wut wandelt. Er lässt sich einfach treiben, benebelt und verkatert, immer wieder auf der Suche nach dem nächsten Trip. Während dieses tage- und nächtelangen Horrortrips lässt er sich auf verschiedene Frauen ein, muss seinen Hund beerdigen, fährt ans Meer, wird verhaftet und verhört, landet im Krankenhaus. Frei nach dem Motto – ist doch alles scheißegal.

Das Debüt besticht durch seinen Sprachstil. Poetisch, schmutzig, rebellisch, nostalgisch und ohne ausführliche Beschreibungen schildert die Autorin in einer Mischung aus Dialogen und Assoziationen Andrzejs Wahn. Der temporeiche, ungeschminkte Schreibstil lässt die Stimmung während der Lektüre immer wieder zwischen Tragik und Comic wechseln.

Masłowska spielt mit Stereotypen, Rollenbildern und Klischees. Die anklingende Endzeitstimmung, erinnert an Stilrichtungen wie das Fin de Siècle um die Jahrhundertwende. Globalisierungskritik und unreflektierter Nationalstolz findet sich im Roman zuhauf. Besonders interessantes Stilmittel: Die Autorin selbst tritt als Charakter im Roman auf. Als Schreibkraft eines Kommissariats nimmt sie die Aussage ihres Antihelden auf und steht so nicht über der Handlung ihres Romans, sondern wird ein Teil von ihr.

Mein Fazit:
Dorota Masłowskas Debüt ist ein sprachgewaltiger Roman, der grotesk ist, provoziert und kritisiert – abseits des literarischen Mainstreams. Die Besonderheit dieses Werks ist weniger der Inhalt, da die Handlung literarisch gesehen nichts Neues mit sich bringt. Das Sprachliche ist das was einen als Leser fesselt, mal im positiven und mal im negativen Sinne. Dadurch, dass sich das Geschiehen durch den Sprachstil manchmal etwas zieht, ist er nicht nach jedermanns Geschmack. Doch für Fans experimenteller Prosa der Gegenwart ist der Roman genau das Richtige.

 

© Cover- und Zitatrechte liegen bei Kiepenheuer & Witsch

 

 

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