„Worte in meiner Hand“ von Guinevere Glasfurd

DSC01238Erschienen bei: Ullstein Verlag, August 2015
Originatitel (Englisch): The Words in my Hand
Ausführung: Gebunden, S. 432
ISBN: 978-3-4713-5123-9
Preis: 18.00 € [D]

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„Die Wörter waren da. Sie waren in meinem Kopf und in meiner Hand, ein Teil meiner selbst.“

Helena Jans van der Storm lebt und arbeitete 1632-1635 als Magd bei einem Buchhändler in Amsterdam. Trotz ihres geringen Standes kann sie lesen und schreiben. Da sie keinen Zugang zu Feder, Papier und Tinte erhält, erdenkt sie sich kreative Alternativen. Eines Tages begegnet sie René Descartes. Descartes ist der neue Hausgast und entdeckt in der unscheinbaren Magd denselben Drang nach Wissen, wie in ihm selbst. Beide knüpfen eine Verbindung, die mehrfach auf die Probe gestellt wird.

René Descartes gilt als einer der wichtigsten Philosophen seiner Zeit, der mit seinen Schriften noch Generationen nach ihm beeinflusste. Geboren 1596 als Sohn einer kleinadligen Familie war Descartes bereits 36 Jahre alt, als er der siebzehnjährigen Helena in Amsterdam während einer seiner größten Krisen begegnete. Seine Ideen wurden bereits vor der Veröffentlichung seines aktuellen Werks, dem « Discours de la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences, plus la Dioptrique, les Météores et la Géométrie qui sont des essais de cette méthode », von Theologen scharf kritisiert. In dieser Krise entdeckt Descartes in der jungen Magd Helena einen inspirierenden Funken, der ihn dazu ermutigt, seine Arbeit fortzuführen. Langsam nähern sich die beiden in der Geschichte an. Schleichen vorsichtig um einander herum und beobachten jeweils den anderen.

Die Beobachtungen beschränken sich jedoch nicht auf das offensichtliche Äußere. Schnell wird deutlich, dass gerade dieses kaum eine Rolle für Descartes und Helena spielt. Der Fokus liegt ganz auf der Beschreibung der Charaktere, weshalb die Autorin auf zu genaue Darstellung der Äußerlichkeiten verzichtet hat. Auf diese Weise wird ein Roman über den Philosophen und Denker Descartes zu einer Geschichte über einen Mann, der sich in eine Magd verliebt. Es wird deutlich, dass auch ein Mann wie Descartes Fehler macht und nicht über den Dingen steht. Die Kritiken an seiner Arbeit versetzen ihn in Wut und Rage, manches Mal in Verzweiflung. Dann zeigt er wieder kindliche Begeisterung, wenn er mit Helena die Schwalben beobachtet.

„Sie fressen, Monsieur.“
„Nun ja, natürlich, fressen.“ er schaute hinauf zum Himmel, suchend, als hätte ich den Sinn vollkommen verfehlt. „Aber hast du gesehen, wie sie heruntergekommen sind?“
Ich nickte. das war etwas, das ich wusste, ohne es gesagt zu bekommen. dann wurde mir klar – aber er weiß nicht, warum die Schwalben heruntergekommen sind.
„Das tun sie, Monsieur.“
Er drehte sich zu mir, seine Augen strahlten. „Das tun sie?“, fragte er.

Obwohl die Geschichte den Mann René Descartes dem Leser näher bringt, handelt die Geschichte dennoch von Helena. Die Beschreibung ihres Charakters zeigt eine junge Frau, die versucht ihr Leben zu meistern. Dazu ist sie gezwungen, sich den Maßstäben und Regeln ihrer Zeit zu unterwerfen. Als Frau und als Magd gestaltet sich vieles Schwieriger. Und obwohl sie manche der Regeln anerkennt, sie sogar nutzt, um Distanz aufzubauen, rebelliert sie immer wieder dagegen an. Dann versucht sie die Distanz zu Descartes zu überwinden und setzt sogar in der Öffentlichkeit ihren Willen durch. Doch scheitert sie an ihnen genauso oft. Auf diese Weise erscheint Helena nie passiv oder zu modern.

Der Verlag bezeichnet die Geschichte als einen literarischen Liebesroman. Damit verbindet er die wohl essentiellsten Themen des Romans. Die Liebe zwischen Descartes und Helena und die Liebe Helenas zu den Worten. Helena übt zu Beginn das schreiben, indem sie Wörter aus der Bibel mit dem Finger in ihre Handfläche zeichnet. Später erstellt sie eigene Tinte und schreibt auf ihrem Arm. „Worte in meiner Hand“ ist im Grunde keine Geschichte über René Descartes. Es ist die Geschichte über Helena Jans van der Storm. Es sind ihre Worte, die die Geschichte erzählen und die von einer Magd auf ihre Hand geschrieben wurden.

Mein Fazit:

Dieser Roman stellte eine kleine Abwechslung in meinem Lesealltag dar. Helenas Geschichte zu lesen glich manches Mal einem Gedicht. Die Figuren, die Stadt Amsterdam werden durch den Schreibstil zum Leben erweckt und beschreiben ein einzigartiges Panorama. Natürlich gilt zu bedenken, dass dieser Roman immer noch fiktiv ist, dennoch versucht sich die Autorin möglichst an die historischen Fakten zu halten.  Die Geschichte Helenas fasziniert, da sie als Magd vom Leben nicht allzu viel erwarten kann und dann einem der berühmtesten Denker seiner Zeit begegnet und dieser in ihr mehr sieht als nur die Magd und die Frau.

© Cover- und Zitatrechte liegen bei Ullstein

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