„Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ von Lauren Oliver

Erschienen in: Carlsen, März 2013
Originaltitel (Englisch): „Before I fall“Wenn du stirbst...
Ausführung: Taschenbuch, 448 Seiten
ISBN: 978-3-551-31200-6
Preis: 8,99€ [D]
Kaufen bei buchhandel.de

Was wäre, wenn heute dein letzter Tag wäre? Was würdest du tun? Wen würdest du küssen? Und wie weit würdest du gehen, um dein Leben zu retten?

– Wenn du stirbst zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Eben diese Frage darf sich Sam Kingston, die Protagonistin des Romans, sieben Mal stellen. Denn sie durchlebt den 12. Februar, ihren Todestag immer wieder von Neuem.

Sam Kingston ist ein sechzehnjähriges High-School Mädchen und lebt in ihren eigenen Augen das perfekte Leben. Sie und ihre drei besten Freundinnen, Lindsay, Ally und Elody, sind die beliebtesten Mädchen der High-School und entscheiden wer oder was beliebt ist oder auch nicht und kommen mit ihrem Verhalten immer durch. Ihr letzter Lebenstag, der Cupid Day, ist zum einen besonders für sie, da in der Schule Rosen mit Nachrichten verteilt werden. Und wer viele bekommt, ist natürlich auch dementsprechend beliebt. Zum anderen, da sie am Abend ihr erstes Mal mit Rob, ihrem Freund und einem der beliebtesten Typen der Schule, erleben soll. Zuerst geht’s abends aber zu Party von Kent, Sams Freund aus Kindertagen und heute in den Augen ihrer Freunde und ihr ein Freak – denn schließlich gehen alle hin die was auf sich halten. Doch so gut der Tag angefangen hat, entwickelt sich der Abend ab da im wahrsten Sinne des Wortes zu einer Katastrophe, die in Sams Tod gipfelt. Am nächsten Morgen wacht sie wieder am 12. Februar auf und durchlebt diesen im Folgenden immer wieder.

Ich habe das Gefühl, als hätte jemand die Rücklauftaste an einem Staubsauger gedrückt, und der ganze Müll, den ich produziert habe, wird auf den Teppich zurückgespuckt, damit ich ihn sehen kann“

„Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“, erschienen im September 2010, ist Lauren Olivers Debütroman. So manchen Leser wir das Handlungsmotiv der Zeitschleife an die Komödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ von 1983 erinnern. Eine Komödie ist dieser Roman aber definitiv nicht. Sam wacht am „ersten“ Morgen nach ihrem Tod auf und erinnert sich an die Geschehnisse des Vortags und hat das Gefühl durchzudrehen, als sie merkt, dass sie wohl die Einzige ist, die sich zu erinnern scheint. Verzweifelt versucht sie die Geschehnisse zu beeinflussen, um den Ausgang des Tages zu verändern. Doch wacht sie immer wieder am 12. Februar auf. Angst und Verzweiflung weichen Resignation und entwickeln sich schließlich zu Einsicht und Akzeptanz.

Sam, aus deren Ich-Perspektive der Roman erzählt wird, erscheint, ebenso wie ihre Freundinnen, zu Beginn des Romans wie eine unsympathische, oberflächliche Tussi, die nur auf ihren Wirkungskreis und ihre Beliebtheit bedacht ist. Im Verlauf des Romans ändert sich dies. Der Leser kann mit jedem neuen 12. Februar mitverfolgen, wie die Protagonistin beginnt sich selbst, ihre Mitmenschen und die Handlungen und Geschehnisse aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Sie begreift, wie oberflächlich sie oftmals gehandelt hat und beginnt zu verstehen und zu sehen, wer tatsächlich hinter ihr steht und sie liebt, wenn’s drauf ankommt, und wie schön die alltäglichen und ebenso besonders die kleinen Momente des Daseins eigentlich sind.

„Da habe ich begriffen, dass manche Momente ewig andauern. Sogar, wenn sie vorbei sind, dauern sie noch an, sogar, wenn man tot und begraben ist dauern diese Momente noch an, vorwärts und rückwärts, bis ins Unendliche. Sie sind es, worauf es ankommt.“

Die Thematik des Romans ist vielschichtiger als man es als Leser zu Beginn des Romans vielleicht erwartet. Bis zum „dritten“ 12. Februar erscheint es manchmal, als handele es sich um eine typische Hollywood High-School Handlung und die Protagonistin könne sich mithilfe des richtigen Verhaltens schon irgendwie aus dem Albtraum befreien. Doch ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich nicht nur Sam, sondern auch die Handlung. Neben der Hauptthematik wird beispielsweise auch das Thema Mobbing in Schulen behandelt. Lauren Oliver beschreibt die Geschehnisse und die von Sam erlebten Eindrücke mit ihrem gut lesbaren bildlich, lebendigen Schreibstil, der den Leser packt.

Mein Fazit:

„Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt. Nach der Lektüre verspürt man als Leser einen leichten Kloss im Hals. Lauren Oliver gelingt es mit ihrem Debüt und ihrer Protagonistin ohne bösen moralischen Zeigefinger deutlich zu machen wie nah Glück, Grausamkeit, Schmerz und Liebe beieinanderliegen und dass man die Zeit, die einem zur Verfügung steht, nutzen sollte, da man nicht weiß, wie lange einem bleibt. Manche „Was wäre wenn?“ Fragen bleiben zwar offen, doch bietet sich so dem Leser die Möglichkeit sich selbst Gedanken über die Thematik zu machen.

© Cover- und Zitatrechte liegen bei Carlsen

Nathalie

Advertisements

2 Kommentare zu „„Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ von Lauren Oliver

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s