„Eisblaue See, endloser Himmel“ von Morgan Callan Rogers

Processed with VSCO with a5 presetErschienen in: Knaur TB Juli 2016
Originaltitel (Englisch): Written on My Heart
Ausführung: Taschenbuch, S.464
ISBN: 978-3-426-51639-3
Preis: 9,99 [D]
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Im Debütroman „Rubinrotes Herz, Eisblaue See“ (2011) von Morgan Callan Rogers lernte der Leser die 11-Jährige, schlagfertige Florine kennen und begleitete sie auf dem holprigen und steinigen Weg ins Erwachsenenleben. Florines Mutter war nach einem Ausflug mit ihrer Freundin verschwunden und am Ende des Romans stellte sich der Leser immer noch die Frage, was eigentlich mit ihr passiert ist.

Im zweiten Roman von Morgan Callan Rogers springt der Leser gleich wieder an den Punkt, wo die Geschehnisse des ersten Romans geendet haben. Die Handlung schreibt das Jahr 1970 und Florine heiratet ihre große Liebe Bud, ihren besten Freund seit Kindertagen. Er war immer für sie da, sei es nach dem Verschwinden ihrer Mutter oder nach den Toden ihres Vaters und ihrer Großmutter. Nach der Hochzeit werden kurz hintereinander ihre beiden gemeinsamen Kinder, Arlee und Travis, geboren und dem gemeinsamen Happy End in ihrem Heimatdorf The Point scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Doch der Alltag holt sie schnell ein. Aufgrund seines neuen Jobs als Mechaniker außerhalb vom vertrauten The Point, entschließt sich die kleine Familie ihre Zelte abzubrechen und tauscht ihr Haus gegen einen Wohnwagen. Florine fühlt sich nicht wohl und auch Bud zieht sich immer weiter zurück, wird schweigsamer, beginnt wie sein Vater zu trinken und wird aggressiver. The Point ist in dieser Situation Florines Zufluchtstort, wenn auch nur für kurze Besuche, und hilft ihr ihrem Alltagsstress als Mutter und Ehefrau für einen Moment zu entfliehen. Doch dann erreichen sie Briefe, die eindeutig an ihre Mutter adressiert sind und ihre Vergangenheit, die Verzweiflung, Trauer und Wut, und die Frage nach dem Verbleib ihrer Mutter nach dem ungeklärten Verschwinden sind wieder da.

Hat der Leser das Erstlingswerk „Rubinrotes Herz, eisblaue See“ gelesen, so hat er das Gefühl gleich wieder in der gewohnten Umgebung des kleinen Fischerdorfs The Point an der Nordost Küste der USA zu sein. Als wäre man nur einen Augenblick weg gewesen. Zu Beginn des Romans werden die Geschehnisse des Vorgängers noch einmal kurz erzählt, sodass man relativ schnell wieder rein findet. Wieder werden Themen wie Verlust, Trauer, Liebe und Freundschaft thematisiert. Hinzu kommen in diesem Roman, da Florine nun erwachsen ist, die Probleme des Ehealltags sowie des Mutterdaseins. Rogers macht aber auch keinen Halt vor unangenehmeren Themen wie Aggressivität und Alkoholismus.

Zu den Charakteren lässt sich sagen, dass man sie alle, wenn man den ersten Roman kennt, schnell wieder ins Herz schließt, sie aber nicht mehr ganz so überzeugen wie im Vorgänger. Ebenso wie Florine haben sie aber auch ihre persönlichen Entwicklungs- und Reifeprozesse, die das Leben mit sich bringt, durchgemacht. Florine gewinnt den Leser mit ihrer schlagfertigen Art relativ schnell wieder für sich und man durchlebt gerne gemeinsam mit ihr die Höhen und Tiefen.

„Manchmal denken die Leute, sie wären gut, und dann tun sie Dinge, die sie nicht tun würden, wenn sie wüssten, wie sich das für die anderen anfühlt.“ – Eisblaue See, Endloser Himmel S. 150

Morgan Callan Rogers versucht mit ihrem zweiten Roman dem Leser die Möglichkeit zu geben, die offenen Fragen nach der Lektüre des ersten Romans zu klären, und die so gewünschten Antworten zu erhalten. Manchmal dümpelt die Handlung etwas vor sich hin. Doch ist es im realen Alltag oftmals nicht anders, sodass es der Authentizität der beschriebenen Handlung keinen Abbruch tut. Einige Dialoge und Passagen regen einen selbst zum Nachdenken an.

Fazit:
Wie schon in „Rubinrotes Herz, eisblaue See“ schafft es die Autorin in „Eisblaue See, endloser Himmel“ mit ihrer Geschichte rund um Florine und The Point, eine besondere Atmosphäre mit Momenten zwischen Verzweiflung und Geborgenheit zu schaffen. Die Lektüre des Vorgängers ist in jedem Fall zu empfehlen. Es gibt zwar immer wieder Passagen, die Szenen aus der Vergangenheit erzählen, doch verliert die Gesamtgeschichte etwas an Fesselungszauber ohne die vorherige Lektüre. Der zweite Band ist im Vergleich zum Ersten leider nicht ganz so fesselnd. Dennoch freut man sich als Leser erfahren zu haben, was aus Florine geworden ist und der Antwort näherzukommen, was es mit dem Verschwinden ihrer Mutter auf sich hatte. Zusammenfassend sind die beiden Romane Lesern zu empfehlen, die eine tiefgründige, weniger schön gezeichnete Geschichte über den Alltag des frühen Erwachsenseins und den Hürden des Lebens lesen möchten.

© Cover- und Zitatrechte liegen bei Knaur TB

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