„Love Letters to the Dead“ von Ava Dellaira

13082072_1128517277170573_796247302_nErschienen in: Hot Key Books, Mai 2014
Ausführung: Paperback, S. 327
ISBN: 978-1-4714-0288-3
Preis: 6,99£[GBP]
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Maybe when we can tell the stories, however bad they are, we don’t belong to them anymore. They become ours. And maybe what growing up really means is knowing that you don’t have to just be a character, going whichever way the story says. It’s knowing that you could be the author instead.

(Love Letters to the Dead)

Laurels erster Tag an der Highschool soll ein Neuanfang werden. Neue Schule, neue Freunde. Es gibt niemanden, der in ihr die kleine Schwester der auf tragische Weise vor einigen Monaten verstorbenen beliebten, wundervollen May sieht. May, die sie mit allem allein gelassen hat und die sie so sehr braucht und vermisst. Ein Ventil, ihrer Trauer mit Worten Ausdruck zu verleihen, bietet die Hausaufgabe ihrer Englischlehrerin am ersten Schultag. Es soll ein Brief an eine verstorbene Person verfasst werden. Laurel entscheidet sich für Nirvana Sänger Kurt Cobain, den Lieblingssänger ihrer Schwester May. Ihm kann sie von ihr erzählen. Ebenso wie Amy Winehouse, Janis Joplin, Jim Morrison, River Phoenix und anderen toten, bekannten Persönlichkeiten. Schnell merkt Laurel, dass ihre Briefe für eine Hausaufgabe zu persönlich sind und sie sie nicht abgeben kann, doch ihr ähnlich wie die Einträge eines Tagebuchs dabei helfen, die Herausforderungen des Alltags und des Erwachsenwerdens, sowie ihre Trauer um May, zu meistern.

How could she just leave me here to live without her? I miss her so much. I love her. I want her to grow up and become who she was meant to be. I wanted her to grow up with me.

(Love Letters to the Dead)

Mit ihrem Debüt-Briefroman „Love Letters tot he Dead“ (2014) gewährt uns Ava Dellaira Einblick in eine gequälte, jugendliche Seele. Für Laurel beginnt mit ihrem ersten Highschool Jahr ein bedeutender, neuer Lebensabschnitt. Wären die emotionale Bewältigung rund um die Scheidung ihrer Eltern und der tragische Tod ihrer Schwester May, an dem sich Laurel die Schuld gibt, nicht schon genug, kommen die typischen Probleme einer Heranwachsenden hinzu. Wer bin ich eigentlich? Wer möchte ich sein? Und was will ich vom Leben?

I think a lot of people want to be someone, but we are scared that if we try, we won’t be as good as everyone imagines we could be.

(Love Letters to the Dead)

Einen großen Teil innerhalb der Handlung nimmt Laurels Beziehung zu ihrer Schwester May und deren Tod ein. Im Verlauf der Brieflektüre erfährt man Stück für Stück wer May war und was letztendlich mit ihr passiert ist. Es ist sehr interessant mitzuverfolgen, wie sich Laurel ihrer Trauer und ihrem Trauma stellt und dabei auch ein Stück weit beginnt ihre von sich selbst aus idealisierte Schwester und deren Verhalten zu hinterfragen, wenn sie der Frage nach ihrer Schuld an Mays Tod nachzugehen versucht. Die Rückblenden, durch die der Leser von May erfährt, sind nicht chronologisch angeordnet, sondern situationsbedingt durch die anderen Handlungsstränge.

Laurel ist eine überaus sympathische Protagonistin, die man als Leser schnell ins Herz schließt. Auf der einen Seite erscheint sie durch das von ihr Erlebte oftmals zerbrechlich, doch überrascht sie einen immer wieder mit ihrem Kampfgeist und Mut auf dem Weg der Mensch zu werden, der sie sein möchte. Neben Laurel lernen wir als Leser, durch ihre Erzählungen innerhalb der Briefe, auch andere Charaktere kennen. Beispielsweise die künstlerisch begabte Natalie und die extrovertierte Hanna, die sich zu Laurels besten Freundinnen entwickeln und ihr Halt geben, sowie auch den ein Jahr älteren Sky, Laurels erste große Liebe. Jeder Charakter innerhalb des Romans ist ausgefeilt und hat seine Geschichte und Probleme, die er bewältigen muss.

Die Form des Briefromans ist in diesem Fall besonders gut gewählt, wobei es sich um keinen typischen Briefroman handelt. Es gibt keinen Briefwechsel, da die Adressaten, wie erwähnt, verstorbene, bekannte Persönlichkeiten sind. Diese sind im Bezug auf die Handlung des Romans nicht willkürlich gewählt, sondern haben entweder einen Bezug zu einer Laurel nahe stehenden Person, oder haben etwas ähnliches erlebt. Judy Garland ist beispielsweise die Lieblingsschauspielerin von Laurels Mutter und Janis Joplin wird oftmals von einer älteren Mitschülerin zitiert. In Laurels Briefen erfahren wir, zusätzlich zu Laurels Leben und ihren Erlebnissen, auch einige Informationen zu den Adressaten, die Laurel recherchiert oder in Dokumentationen gesehen hat.

Durch die Briefform und Themen wie häusliche Gewalt, Missbrauch, Homosexualität und das Erwachsenwerden allgemein, wird Ava Dellairas Roman häufig mit Stephen Chboskys Roman „Perks of being a Wallflower“ verglichen. In ihrer Danksagung erwähnt die Autorin eine Zusammenarbeit mit ihm im Prozess des Schreibens des Romans. Einige Parallelen sind zwar erkennbar, doch ist Dellairas Roman in seiner eigenen Art und Weise besonders und überaus gelungen.

Mein Fazit:
„Love Letters to the Dead“ von Ava Dellaira ist ein wundervolles Buch, das mich nicht nur einmal hat eine Träne vergießen lassen. Während des Lesens begleitet man als Leser Laurel dabei sich ihren Ängsten zu stellen und im Prozess der Bewältigung dieser zu wachsen. Die Briefe an die verschiedenen Personen, je nach Situation, machen das Lesen spannender und abwechslungsreicher. Insgesamt lässt sich die schwere, tragische Thematik durch den leichten Erzählstil sehr gut und flüssig lesen. Mit diesem Werk hat es die Autorin geschafft, einen poetischen und tiefgründigen Roman über die Themen Freundschaft, Liebe und Trauerbewältigung zu schreiben, die nun einmal zum Erwachsenwerden dazu gehören.

© Cover- und Zitatrechte liegen bei Hot Key Books

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