„Die Stadt der Träumenden Bücher“ von Walter Moers

Erschienen in: Piper Verlag April 2006
Ausführung: Taschenbuch, S. 480
ISBN: 978-3-492-24688-0
Preis: 12,99 € [D]
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»In tiefen, kalten, hohlen Räumen
Wo Schatten sich mit Schatten paaren
Wo alte Bücher Träume träumen
Von Zeiten, als sie Bäume waren
Wo Kohle Diamant gebiert
Man weder Licht noch Gnade kennt
Dort ist’s, wo jener Geist regiert
Den man den Schattenkönig nennt.« (S. 237)

Tief unter Buchhaim liegt die Welt der Träumenden Bücher und des Schattenkönigs. Wehe dem, der sich dort hinunter wagt. Doch Hildegunst von Mythenmetz bleibt keine andere Wahl. Auf der Suche nach dem Autor eines geheimnisvollen Manuskripts wird er in die sagenumwobene Unterwelt verbannt. Doch statt hinauszufinden, gerät er immer tiefer in das Labyrinth. Bis er schließlich dem furchtbarsten Ungeheuer, dem Schattenkönig, gegenüber steht.

Walter Moers wurde bekannt durch seine Bücher über „Das Kleine Arschloch“ und „Käpt’n Blaubär“. In „die Stadt der Träumenden Bücher“ erzählt er die Geschichte von Hildegunst von Mythenmetz. Das Buch spielt in Zamonien, in dessen Kosmos noch andere Bücher angesiedelt sind. Eine Fortsetzung des Romans wurde unter dem Titel „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ publiziert.

Auffällig bei diesem Roman ist bereits seine Gestaltung. Allein die Taschenbuchausgabe ist mit vielen Illustrationen des Autors geschmückt. Die Zeichnungen sind äußerst liebevoll gestaltet und bereichern den Text.

Innerhalb der Geschichte führt der Protagonist, Hildegunst von Mythenmetz, den Leser durch die Literaturgeschichte Zamoniens. Walter Moers kreiert eine eigene Welt bis ins kleinste Detail, mit einer eigenen Historie, deren Umfang kaum zu überbieten ist. Zudem reflektiert der Roman den Literaturbetrieb. Die Stadt Buchhaim stellt eine verdichtete Version dar. Angelehnt ist der Roman an die realen Genres Fanatasy, Popliteratur sowie Horror und Schauerliteratur.

Der Protagnoist Hildegunst von Mythenmetz ist ein Lindwurm von der Lindwurmfeste. Das Besondere der Lindwurmfeste, alle Bewohner sind Autoren. Als sein Dichterpate Danzelot stirbt und ihm ein unglaubliches Manuskript vererbt, macht er sich auf die Suche nach dessen Autoren. Hildegunst ist eher ein Chronist. Er zieht hinaus, ohne zuvor etwas veröffentlicht zu haben. Je tiefer er in die Welt Buchhaims und der Katakomben eindringt, desto mehr lernt er über sich und die Literatur. Er lernt, dass auch Bücher gefährlich werden können und sie die Leute über sich hinauswachsen lassen.

Der Schattenkönig oder auch Homuncolos ist an viele Figuren der Schauerliteratur des 19. Jahrhunderts angelehnt. Es zeigen sich Verbindungen zu Frankenstein, dem Golem aus Prag, Dracula und vielen mehr. Doch wurde der Schattenkönig, wie viele dieser Monster, zu dem gemacht, was er ist. Seine Geschichte ist spannend und zeigt, dass es letztlich darauf ankommt, was wir aus uns selbst machen. Sein Charakter ist vielfältig und spiegelt seine Erfahrungen wieder. Hervorzuheben ist sein besonderer Humor, der Hildegunst in manche Schwierigkeiten bringt.

Mein Fazit:

Dieses Buch habe ich jetzt zum zweiten Mal gelesen und bin noch begeisterter, als beim ersten Mal. Die vielen Details entwerfen ein eigenes Universum, dem sich ein Büchermensch nur schwer entziehen kann. Besonders herzallerliebst sind die Buchlinge, die in meinen Augen die wahren Helden der Geschichte sind. Sie repräsentieren die gute Seite des Lesens während die Stadt und andere Orte der Katakomben, die verdorbene Seite darstellen. Der Einfallsreichtum Walter Moers erscheint grenzenlos und dieses Buch ist eines der Bücher, in die man eintaucht und erst am Ende wieder auftaucht und noch eine Weile drüber nachdenkt.

© Cover- und Zitatrechte liegen bei Piper

 

 

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2 Kommentare zu „„Die Stadt der Träumenden Bücher“ von Walter Moers

  1. Herrje, habe ich dieses Buch vor Jahren förmlich verschlungen. Dabei bin ich nur durch Zufall darüber gestolpert, da ich bis zu diesem Zeitpunkt Walter Moers und seinen Geschichten so gar nichts abgewinnen konnte. Und – jetzt oute ich mich – ich verabscheue Käpt´n Blaubär! Den Lachkrampf bei dem Gedicht über den Schrank voll ungeputzter Brillen werde ich wohl nie vergessen. Eine wahnsinnig tolle Geschichte!!!

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    1. Die Käpt’n Blaubär Bücher habe ich noch nicht gelesen. Aber auch bei mir war es Zufall, dass ich die Stadt der Träumenden Bücher las. Es war in meinem Regal (keine Ahnung wie es dorthin kam) und irgendwann dachte ich, ich sollte es mal lesen. Den Anfang fand ich damals noch etwas langweilig, aber dann war es nur noch großartig. Und das mit den Brillen hat mich beim zweiten Mal auch so sehr zum Lachen gebracht.

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