„Who the Fuck is Kafka“ von Lizzie Doron

wpid-img_20150826_090457.jpgErscheinen in: dtv premium, 1. Februar 2015
Ausgabe: Erste Ausgabe weltweit; übersetzt von Mirjam Pressler
Ausführung: Taschenbuch. 256 Seiten
ISBN: 978-3-423-26047-3
Preis: 14,90 € [D]
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Nach Cinecittà bringt man Tortellini und Crème brûlée mit, Geschichten, eine Kamera. In Cinecittà ist es für einen Palästinenser und eine Jüdin kein Problem, Freunde zu sein.  (Who the Fuck is Karka, S.109)

Um genau diese „Feind-Freundschaft“ geht es in Lizzie Dorons Doku-Roman „Who the Fuck is Kafka“. Sie, die israelische Schriftstellerin und Nadim Abu Hanis, ein arabisch-palästinensischer Fotograf, treffen sich als eingeladene Gäste bei einer Friedenskonferenz in Rom und stellen schnell fest, dass dort viel geredet wird, eine richtige Lösung des Nahostkonflikts aber noch lange nicht in Sicht ist. Dort in Rom gelingt ihnen eine erste Annäherung über die Vorurteile auf beiden Seiten hinweg, die in einer ersten groben Idee, zurück in Israel ein Buch über ihn zu schreiben und einen Film zu drehen, mündet.

Die Autorin des Romans ist eine in Tel Aviv lebende israelische Schriftstellerin, die wie in diesem Roman erwähnt, bisher schon Romane geschrieben hat, die thematisch mit der jüngsten jüdischen Vergangenheit und dem Holocaust zu tun haben. Beispielsweise verfasste sie ihren ersten Roman „Lama lo bat lifne ha-milchama?“ (dt. Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?),  nachdem ihre Tochter in einem Schulaufsatz die Geschichte ihrer Familie aufschreiben sollte und Doron selbst feststellen musste, dass sie nicht allzu viel über die Vergangenheit ihrer Mutter wusste. Ihr Debüt ist eine Hommage an ihre Mutter und zeichnet ebenso ein Bild der Generation, die den Holocaust überlebt hat und versucht hat sich in Israel ein neues Leben aufzubauen. In ihrem neusten Roman „Who the Fuck is Kafka“ verarbeitet sie ihre persönlichen Erlebnisse im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt zwischen Israeliten und Palästinensern.

Zurück in Israel, und somit der harten Realität, müssen Lizzie und Nadim beide feststellen, dass ihre Pläne (mit dem Ziel eine möglichen Annäherung zwischen Israeliten und Palästinensern mit ihrem Buch und seinem Film zu schaffen), nicht so leicht in die Tat umzusetzen sind, wie sie es sich im fernen Rom vorgestellt haben. Für sie beide ist dieses Unternehmen in vielerlei Hinsicht nicht ungefährlich und muss weitestgehend im Geheimen stattfinden. Lizzie wird während ihrer gemeinsamen Treffen immer wieder von Siedlern und Orthodoxen angegangen, die gegen die Bekanntschaft einer Israelitin mit einem Palästinenser sind. Würde Nadim von radikalen Palästinensern mit ihr gesehen werden oder diese von ihrem gemeinsamen Projekt erfahren, könnten sie ihm, dem angebichem Kollaborateur, nach seinem und dem Leben seiner Familie trachten. Hinzu kommt die Problematik der Aufenthaltserlaubnis und der Lebensumstände seiner Ehefrau Laila.

Bei all ihre Unternehmungen und Plänen schweben die ständig anwesenden Fragen über ihnen: Wer ist Opfer? Wer ist Täter? Wessen Leid zählt mehr? Wer leidet mehr? Es gibt so gut wie kein Gespräch, dass nicht in gegenseitigen Vorwürfen ausartet oder in dem sich einer von beiden unverstanden fühlt. Immer präsent: die Traumata beider Völker.

Die Geschichte dieses Doku-Romans, hat sich mehr oder weniger so in der Realität zugetragen, sodass Doron mit diesem Werk eine Art autobiographisch geprägte Chronik ihrer beider Freundschaft und Träume geschaffen hat. Den Namen Nadims, sowie andere besondere Merkmale, die seine Identität verraten könnten, hat die Autorin zu seinem Schutz geändert und fiktionalisiert. Dennoch ist das im Roman Beschriebene sehr nah an der tatsächlichen Realität der Betroffenen des Nahostkonflikts. Beispielsweise wenn Doron über die Ängste und Vorurteile oder die kriegerischen Auseinandersetzungen und Anschläge berichtet und auf die verheerenden psychischen Folgen aller Bewohner des Krisengebietes aufmerksam macht. Ihr Sprachstil in diesem Roman ist im Vergleich zu der emotionsgeladenden Thematik beherrscht und klar, was den Eindruck einer dokumentarischen Aufzeichnung verstärkt. Dennoch schafft es eben dieser Sprachstil starke Emotionen, wie Entsetzen oder Mitleid, im Leser hervorzurufen.

Fazit:

Der Roman ist absolut lesenswert. Denn das was man über den Nahostkonflikt weiß, weiß man meist aus den Medien, die wiederum zeigen, was ihrem Urteil nach zeigens- bzw. lesenswert ist. Dieser Roman mit seinen leicht fiktionalisierten Begebenheiten bietet dem Leser die Möglichkeit aus erster Hand mehr über die Zustände, die die Bevölkerung auf beiden Seiten im alltäglichen Leben zu erdulden hat, zu erfahren. Es wird sehr deutlich, wie kompliziert der irrsinnige Nahostkonflikt tatsächlich ist und welche Hürden noch bewältigt werden müssten, um endlich dem Frieden ein Stückchen näher zu kommen. Zu empfehlen ist dieser Roman jedem, der sich für ein Werk interessiert, dass einen realen Bezug zu krisenhaften Geschehnissen auf der Welt hat. Er ist aber auch jedem zu empfehlen, der eine Geschichte über eine Freundschaft zweier Menschen lesen möchte, die es trotz ihrer politisch begründeten Vorurteile und Ängste schaffen zu erkennen, dass sie sich in vielerlei Hinsicht doch nicht so fremd sind und einander helfen können.

© Cover- und Zitatrechte liegen bei dtv premium

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