„Elias und Laia – Die Herrschaft der Masken“ von Sabaa Tahir

Erschienen in: One Verlag, Mai 2015
Originaltitel (Englisch): An Ember in the Ashes
Ausführung: Gebunden, S. 507.
ISBN: 978-3-8466-0009-2
Preis: 16,99 € [D]
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Wer seine Maske ablegt,

hat keine Angst mehr.

Wer keine Angst mehr hat,

lässt sich nicht länger unterdrücken.

Wer sich nicht länger unterdrücken lässt,

entzündet den Funken der Freiheit.

Mitten in der Nacht wird Laias Bruder von einer Maske des Imperiums festgenommen und ihre Großeltern getötet. Um ihren Bruder aus dem Gefängnis zu befreien, schließt sich Laia dem Widerstand an. Doch sie muss einen gefährlichen Auftrag annehmen. Als Spitzel soll sie die Pläne der Kommandantin herausfinden, der Leiterin der Militärakademie, dem Ort, an dem die Masken ausgebildet werden.

Elias ist eine Maske und steht kurz vor dem Abschluss. Doch er will dieses Leben, bestehend aus Gewalt und Tod, nicht. Kurz vor seiner geplanten Flucht wird er zum Kandidaten für die Nachfolge des Imperators auserkoren. Nun muss er sich den harten Prüfungen stellen, die nicht nur das Leben vieler sondern auch seine Seele fordern.

Sabaa Tahir wuchs in der Mojave-Wüste in Amerika als Einwandererkind auf. Nach dem College bekam sie einen Job bei der Washington Post. Aus der Lektüre zu Frauen, deren Männer und Brüder im Kaschmir entführt wurden,– eine Region, die an Pakistan und Indien angenzt – entwickelte sich die Idee zu „Elias und Laia“.

Die Geschichte von Elias und Laia spielt in einer fiktiven Welt. Die Landschaft besteht hauptsächlich aus Wüstengebiet. Dieses Setting legt den Grundstein für ein entbehrungsreiches Leben der Charaktere. Das Imperium und die Militärakademie sind angelehnt an das römische Reich, dessen alleiniger Herrscher der Imperator ist. Die Namen der treuen Bürger sind lateinischen Ursprungs und auch die Strukturen des Imperiums haben lateinische Bezeichnungen. Abweichend dazu stehen die unterdrückten Völker, die der wandernden Stämme und der Kundigen, der einstigen Herrscher des Landes. Anders gesprochen lassen sich die Völker in Zivilisierte und Barbaren einteilen und werden entsprechend auch im Roman als solche bezeichnet.

Ausgenommen von dieser Unterteilung sind die mystischen Wesen, die erst ab der zweiten Hälfte des Romans in Erscheinung treten. Sabaa Tahir erschafft mit ihnen eine magische Wüstenwelt, die noch viele Überraschungen offen hält und den Zauber des Orients erweckt. Zu ihnen zählen auch die Weisen, die Auguren, die den Tod des Imperators prophezeien und seinen Nachfolger erwählen. Sie gehören zu den Strippenziehern im Hintergrund, deren Pläne nur schwer zu durchschauen sind.

Besonders in Elias Leben greifen die Auguren ein. Elias steht kurz vor seinem Abschluss als Maske, der Elite des Militärs. Doch ihm ist ein solches Leben zuwider. Seine Maske, die noch nicht mit seinem Gesicht verschmolzen ist, ist ein Zeichen seiner versteckten Wünsche und Ängste und seiner Distanz zu den anderen Absolventen der Akademie. Die Silberne Maske steht bei ihnen für das verzerrte Abbild ihrer selbst, dass das wahre Gesicht überlagert und schließlich auslöscht. Als Anwärter für den Platz als Imperator wird Elias mit vier Prüfungen konfrontiert, die seine größten Ängste heraufbeschwören und ihn zu einer Entscheidung gegen oder für seine Seele zwingen. Er ist ein starker Charakter, gerade weil er unter seinen Ängsten leidet und sich mit ihnen auseinandersetzen muss.

Auch Laia ist ein starker Charakter. Sie ist nicht, wie Katniss oder andere beliebte, toughe Figuren. Es wird deutlich, dass sie unter einfachen Umständen groß geworden ist und als Mädchen nicht weiß, was sie tun soll bei der Verhaftung ihres Bruders. Ihr bleibt nur die Flucht. Und selbst, als sie sich zur Rettung ihres Bruders entschließt, wird ihre Angst durch ihre Gedanken und die sie verfolgenden Schatten deutlich. Doch neben Elias macht sie eine große Entwicklung durch und überzeugt mit ihrer Vielschichtigkeit.

Jetzt bin ich an der Reihe, das Richtige zu tun, sagt eine Stimme in meinem Kopf. Doch es sind nicht mehr Darins Worte, sondern meine eigenen. Diese Stimme war schon immer meine eigene. Jetzt bin ich an der Reihe, den Izzat zu leben.“ (S. 482)


Mein Fazit:

Elias und Laia ist ein unglaubliches Buch, das sich nicht auf Stereotypen beruft und neue eigenständige Charaktere entwickelt. Zusätzlich verweist es auf historische und gegenwärtige Diskurse und eröffnet mit seinem Wüstensetting einen neuen Trend im Jugendbuch. Es ist interessant geschrieben, wenn es auch an manchen Stellen sehr grausam ist. Aufgrund der beschriebenen Grausamkeiten würde ich es nicht für Jugendliche unter sechzehn Jahren empfehlen.

© Cover- und Zitatrechte liegen bei One-Verlag

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