„Janusmond“ von Mia Winter

Erschienen in: Egmont LYX Verlag, April 2015
Ausführung: Taschenbuch, S. 385
ISBN: 978-3-8025-9790-9
Preis: 14,99 € [D]
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Ein Bruder sucht nach zehn Jahren seine verschollene Schwester. Eine Schwester, die von allen nur als das personifizierte Böse beschrieben wird. Doch was ist, wenn das Böse in allen anderen schlummert?

In Louisson, in Südfrankreich, begibt sich der Kommissar Christian Mirambeau auf die Suche nach Lune Bernberg. Die sogenannte „Hexenhitze“ drückt auf die Stadt und die Gemüter. Je tiefer Christian in die Ereignisse von vor zehn Jahren eintaucht, desto tiefer werden die menschlichen Abgründe, die sich ihm offenbaren. Lune zieht ihn immer stärker in ihren Bann, bis er schließlich die Gefahr für sich selbst und sein eigenes Glück nicht mehr wahrnimmt.

Mia Winter schrieb bereits acht Bücher unter dem Namen Stefanie Koch. Darunter Krimis, Biografien und heitere Texte. In einem Interview mit LYX erzählt sie, dass „Janusmond“ ihr erster Romanversuch ist. Vor 20 Jahren begann sie mit der Geschichte, hatte jedoch das Gefühl diese nicht richtig schreiben zu können. Mit den Figuren Christian und Leon ist es ihr nun gelungen Lunes Geschichte zu erzählen.

Janusmond steht bezeichnend für die zwei Seiten des Mondes – das Gute und das Böse. Ebenso bezeichnet es, wie im Roman erklärt, einen Monat, in dem zwei Vollmonde vorkommen. Dies wird als Unglücksomen betrachtet und macht auch das spezifische Jahr zu einem Unglücksjahr. In genau einem solchen Monat wurden die Zwillinge Leon und Lune geboren und Lune wird schon früh von ihrer Mutter als das personifizierte Böse bezeichnet. Doch zeigt sich schon bald, dass Lune nicht das Gesicht des Bösen ist. Es ist vielmehr ihre Art, die die Menschen dazu bringt sie zu hassen, zu lieben.

„Du bist in meine Schwester verliebt, obwohl du sie nur aus meinen Erzählungen kennst; obwohl du nicht weißt, ob sie überhaupt noch lebt! Aber du bist in sie verliebt. Du träumst von ihrer Wildheit wie alle Männer. Kritisch wird es erst, wenn du sie besitzen willst und wenn – sobald du merkst, dass du das nicht kannst – der Wunsch in dir aufkeimt, sie zu zerstören. Schon als meine Schwester zwölf Jahre war, sagte meine Großmutter: ‚Dieses Mädchen bringt das Schlechteste in den Menschen zum Vorschein&lt‘.“ (S. 242)

Mia Winter bereichert ihr Louisson mit vielen einprägsamen und eindrucksvollen Charakteren. Sie alle zeigen, dass sie zwei Gesichter in sich tragen und andere Menschen verletzen können.
Einer dieser Charaktere ist der kleine Spanier Sergio. Er steht für das Schöne und das Hässliche, zwei Aspekte, die auch dem Guten und Bösen oft zugewiesen werden. Doch beide Aspekte vereinen sich in seiner körperlichen Darstellung doch erweist sich am Ende eine Seite als die Triumphierende. Mia Winter spielt mit der Figuren Zuordnung zum Guten und Bösen und vertauscht manche gegen Ende des Romans.

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven geschildert und beginnt mit der Perspektive Leons. Dieser Perspektivenwechsel erzeugt die Spannung des Romans. In Bruchstücken erfährt man Leons wahre Hintergründe und seine und Lunes Vergangenheit. Die Nachforschungen Christians sind weniger spannungsgeladen, doch durch das Hintergrundwissen aus den anderen Perspektiven fiebert der Leser für ihn mit und sorgt sich um ihn. Mia Winter erzeugt eine drückende und beklemmende Atmosphäre, die durch ihre ruhige Sprache und bildliche Beschreibung der Umgebung verstärkt wird. Die „Hexenhitze“ wird dadurch spürbar. Auch die Beschreibung des „Bösen“ erzeugt ein beklemmendes Gefühl.

„Louisson liegt in einem Kessel, hatte Lune geschrieben, deshalb staut hier die Hitze. Sie drückt auf die Menschen, die sich immer irgendwann unvermittelt mit einer wilden Geste, einem Schrei von der bleiernen Schwere zu befreien suchen.“ (S. 27)

Mein Fazit: Dieses Buch musste ich hin und wieder weglegen, da der Druck und die Atmosphäre des Romans ein ungutes Gefühl in mir verursachten. Es war als würde etwas auf mich abfärben oder nach mir greifen. Dieser Roman stimmte mich während des Lesens auch Teils nachdenklich, da er das Denken über Gut und Böse hinterfragt und viele andere Fragen aufwarf. Lune ist ein wirklich interessanter Charakter, bei dem man das Gefühl hat, sie wäre eine handelnde Figur, obwohl sie erst am Ende tatsächlich in Erscheinung tritt. Für Krimileser, die die große Spannung und Aktion suchen kann ich diesen Roman weniger empfehlen. Wer aber einen tiefgehenden, manchmal nachdenklichen und atmosphärisch düsteren Roman lesen möchte sollte mit diesem Roman genau richtig liegen.

© Cover- und Zitatrechte liegen bei Egmont LYX

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